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Ein Memorandum deutscher Forscher attestiert, es sei unbedenklich, im Sinne mentaler Leistungssteigerung, Fremdsubstanzen einzunehmen, sollten die gesellschaftlichen Rahmenbedingungen stimmen.

Dazu!

Je mehr Stunden ich konzentriert, wach und leistungsbereit bin, desto leistungsfähiger bin ich auch? Zu welcher Leistung befähigt mich denn Wachheit? Ist es mit jenem fortschrittlichen Menschen also so, wie es mit einem Computer bewandt ist: je länger er läuft, desto mehr Rechenoperationen hat er durchgeführt?

Fragt sich aber, ob wir nicht solche Aufgaben, die solche Quantitäten fordern, nicht lieber Computern überlassen, die nichts anderes als Quantität sind und alle Qualität, zu der Computer nicht fähig sind, tunlichst denen überlassen, die sich gerade, vermeintlich evolutionär, eben dieser entledigen: den Menschen?

Gleichwohl sind einige Menschen mit einigem Talent bessere Computer als Menschen. Da Leistung ja messbar sein soll verstehe ich durchaus, dass das bloße Datum eines 24 Stunden Tages Leistung indiziert, will aber darauf hinweisen, dass eine Sekunde, die von Schlaf umrahmt ist, und vielleicht einen klangvollen, weittragenden poetischen Gedanken bereithielt, im qualitativen Sinne weit erstrebenswerter ist, als Stunden zombischen Wachexistierens, das nur Rechenoperationen in schwindelnder Menge zu produzieren verstand.Sie entdecken noch immer kein stechendes Argument gegen Neuro-Enhancement?

Dann simpler.

Nehmen wir an, Ritalin wird nicht mehr produziert, weshalb auch immer. Nehmen wir ferner an, dass Sie, geneigter Leistender, eben diese Substanz zur computerisierten Leistungserbringung benötigen, und stellen wir uns die Verzweiflung vor, die diesen mental verkrüppelten Menschen befällt, ist all seine gemessene Berechtigung zur Existenz zusammengeschrumpft, so wissen wir, dass zumindest der Autor dieser Zeilen so nicht leben will, der sich eines sicher bewußt ist: Geist bleibt autonom, auch dann, wenn er sich vorstellt, einer Substanz wie Ritalin zu bedürfen, die jenen Menschen zwar wach zu erhalten versteht, nicht aber sich selbst näher bringt und eine höchst erstrebenswerte Leistung vereitelt.

Nämlich eben der, sich selbst bewußt zu werden. Und so haben die sieben Forscher Recht darin, dass das Pharmazeutikum nicht das eigentliche Problem ist, jedoch Unrecht, Politik und Gesellschaft in die Verantwortung zu nehmen.

Jedes einzelne Subjekt ist aufgerufen, seine Potenzen zur Autonomie und eben diese als wesentliche Leistung des Geistes zu verstehen, gerade mit und durch die Präsenz einer Gesellschaft, die es durch sich und seine Autonomie mit konstituiert. Das gelingende Leben findet dann freilich nicht mehr an einem Arbeitsplatz statt, sondern in eben jenem Bewußtsein, welches den Gedanken des gelingenden Lebens denkt, und mithin auch mal über einem Buch genüsslich einschlummert.

One Comment for "Geist-Enhancement"

  • marishok

    Das hast du gut gesagt!! Bravo

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